Neun Uhr – ohne Ausnahmen

„Hast du einen Plan? Wenn ja, welchen?“, lauten häufig wichtige Fragen des Schachtrainers an seinen Schützling – bezogen auf die Stellung natürlich. Wichtig ist es jedoch auch, einen Plan hinsichtlich der Zeit zu haben, insbesondere für die Aktiven während der Landesmeisterschaft des Nachwuchses.

Denn zu spätes Erscheinen wird zunächst mit 15 Minuten Abzug bestraft, beim zweiten Mal setzt es ein Osterei. Glücklicherweise kam es während des gesamten Turniers nicht dazu – alle Spielerinnen und Spieler waren stets pünktlich am Brett, eine starke Leistung.

Demzufolge ist neun Uhr eine sehr wichtige Zeit – hier beginnt nämlich die jeweilige Vormittagsrunde. Neun Uhr ist aber auch aus anderen Gründen wichtig. So ist es eine halbe Stunde vor dem Knoppers essen („Morgens, halb Zehn in Deutschland“) oder der Zeitpunkt, den Schlüssel am Abreisetag abzugeben. Jeder sucht sich halt seine Sachen raus – und manche Personen werden halt einfach unfreundlich und beleidigend vor einem großen Auditorium, wenn es um neun Uhr geht. Peinlich. Doch Sie merken, ich schweife leicht ab.

Das Turnier verlief nahezu problemlos, das Schiedsrichterkollektiv hatte ein leichtes Amtieren. Die Partien wurden in meinen Augen etwas eilig gespielt. Neunundsechzig Züge in 40 Minuten am Spitzenbrett der U10 – kann man machen, sollte man aber nicht. Die Schnellschach-LEM war doch im Oktober in Neuruppin bereits. Der veränderte Bedenkzeitmodus (z.B. 30 Sek. ab dem ersten Zug) sorgte zudem nicht für tiefere Gedankenströme der Aktiven.

Interessantes spielte sich ab Mittag des letzten Tages an. Spielerinnen der U16 und U14 fanden fünf Tage lang keine Entscheidung, so musste das Blitzen über Rang zwei jeweils entscheiden. Auch hier meinte die U14, dass das nicht reicht. Nach vier Blitzpartien stand es 2:2 – Armageddon sollte es richten und richtete es auch. Soweit ging es ja nicht mal bei der Weltmeisterschaft mit Carlsen. Aber wir sind ja nicht in London, sondern in Neuruppin.

Nun ist es jedoch an der Zeit, den Staffelstab des Turnierleiters an die (jüngere), dynamischere Generation zu übergeben. Vielen Dank für vier, so kann ich es, so glaube ich, mit Stolz sagen, fantastische Jahre im Jugenddorf Gnewikow. Die Leitungsposition an der größten Grundschule des Landkreises Ostprignitz-Ruppin, der Karli, lässt ein Weitermachen nicht zu – selbst wenn das Turnier in der Ferienzeit stattfindet.

Der ein oder andere wird es gemerkt haben, dass ich einen Teil der Arbeit während des Turniers und in den Tagesrandlagen erledigte. Das kann auf Dauer so nicht funktionieren. Demzufolge ist der Abtritt die logische Konsequenz – gute Turnierleiter gibt es sicherlich zwischen Frankfurt/Oder und Potsdam sowie Spielmaterialien zwischen Wittstock und Döbern.

Zudem weiß der Landesschachbund Brandenburg bereits zu diesem Zeitpunkt, dass eine Nachfolgeregelung für die kommenden Jahre generiert werden muss.

Wir werden uns vielleicht in zwei, drei Jahren um neun Uhr wiedersehen, dann womöglich als Betreuer bzw. Trainer in der Café-Lounge. Das sollte aber keine Drohung sein. Tschüss.

Mathias Jäkel

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